Kaltenberg – Mit dem ersten Starkbieranstich der Fastenzeit hat die Schlossbrauerei Kaltenberg am Samstagabend in der Ritterschwemme von Schloss Kaltenberg den traditionellen Auftakt der Starkbiersaison in der Region gefeiert. Zahlreiche Gäste aus Politik, Kirche und Gesellschaft waren der Einladung gefolgt, darunter Landrat Thomas Eichinger, CSU-Bundestagsabgeordneter Michael Kießling sowie eine große Zahl von Bürgermeistern aus dem Landkreis Landsberg am Lech.
Nach der Begrüßung durch Geschäftsführer Harald Stückle folgte die Rede des Hausherrn Seiner Königlichen Hoheit des Prinzen Luitpold von Bayern. Den offiziellen Fassanstich übernahm Geltendorfs Bürgermeister Robert Sedlmayr, der mit drei gezielten Schlägen das Starkbierfass öffnete und dem Prinzen die erste Maß reichte.
Brauereichef Stückle stellte die diesjährigen Starkbierspezialitäten vor. Nach monatelanger Lagerzeit präsentierten sich die Biere mit kräftigem Körper, malziger Tiefe und aromatischen Hopfennoten: Das obergärige Weißbier, der Prinzregent Luitpold Weizenbock und das untergärige Starkbier, der Kaltenberger Ritterbock mit etwa 20 Prozent Stammwürze
Einen besonderen Akzent setzte Prinz Luitpold mit einem ausführlichen historischen Exkurs über die Rolle des Bieres in früheren Jahrhunderten. Er verwies auf akribisch geführte Hofkassen- und Rechnungsbücher aus dem 16., 17., 18. und teilweise noch 19. Jahrhundert seiner Vorfahren, in denen die Versorgung der Hofhaltung minutiös dokumentiert wurde. Diese Quellen seien keine groben Übersichten, sondern detaillierte Aufzeichnungen mit Strichlisten, aus denen hervorgehe, wer zu welcher Zeit welche Menge Bier erhalten habe. In der Münchner Residenz etwa seien täglich rund 500 Personen verköstigt worden – vom Bediensteten bis zum Hofbeamten – und ihr Getränkekonsum exakt festgehalten worden.
Auswertungen dieser Archivbestände hätten ergeben, dass der durchschnittliche tägliche Bierverbrauch pro Kopf bei etwa 2,2 Litern lag. Der Prinz stellte diesen Befund mit einem Augenzwinkern in einen größeren kulturellen Zusammenhang: Trotz dieses aus heutiger Sicht hohen Konsums habe Bayern bedeutende kulturelle Leistungen hervorgebracht, Universitäten gegründet und Kunstwerke geschaffen. Die Zahlen seien daher weniger als Maßstab zu verstehen, sondern als kulturhistorische Momentaufnahme einer Zeit, in der Bier ein selbstverständlicher Bestandteil des Alltags gewesen sei und oft als sicheres Grundnahrungsmittel galt. "Von Milch bekam man Tuberkulose und von Wasser die Cholera", so Prinz Luitpold.
Mit seinem Rückblick verband der Redner einen Appell zu einer differenzierten Diskussion über Genusskultur und gesellschaftliche Verantwortung. Tradition, persönliche Freiheit und wissenschaftliche Erkenntnisse müssten in einen ausgewogenen Dialog gebracht werden.
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