Eröffnet wurde der Konzertabend durch das ergreifende Spiel des preisgekrönten Bar Zemach. Der 24-Jährige Horn- und Schofar-Solist des West-Eastern Divan Orchestras füllte mit dem göttlichen Klang seines einzigartigen Antilopen-Horns den ausverkauften Kirchenraum von St. Ottilien. Das traditionell-jüdische Musikinstrument hatte er von seinem Großvater zum 18. Geburtstag bekommen, mit dem Auftrag, seinen Klang durch die Welt zu tragen.
Tief berührend war das Cellospiel von Maximilian Hornung und seiner Interpretation Peter Tschaikowskys Nocturne d-Moll. Vor allem begeisterte der gebürtige Augsburger mit seinem warmherzigen und technisch perfekten Spiel des Cellokonzerts Nr. 1 in C-Dur von Joseph Haydn sowie der Vertonung des jüdischen Gebets Kol Nidrei von Max Bruch aus dem Originalprogramm 1945. Der mehrfach preisgekrönte Hornung war für den erkrankten Altmeister Mischa Maisky eingesprungen und versetzte sein begeistertes Publikum mit dem Prélude aus der Bach-Cello Suite Nr. 1 als Zugabe in andächtige Verzückung . Ehrengäste des Konzerts waren neben Charlotte Knobloch unter anderem der frühere Kanzlerberater von Helmut Kohl, Prof. Dr. Horst Teltschik, die Generalkonsulin Israels Talya Lador-Fresher und ihr US-Kollegen Dr. James Miller sowie Bundestagsabgeordneter Michael Kießling (CSU), Antisemitismusbeauftragter Dr. Ludwig Spaenle und Staatsminister a.D. Dr. Thomas Goppel.
Für Julian Rachlin hat das Liberation Concert eine spezielle Bedeutung: Die ganze Familie seiner Großmutter war im Dritten Reich umgebracht worden. „Insofern ist dieses Thema für mich und meine Familie allgegenwärtig. Auch als Chefdirigent des Jerusalem Symphony Orchestras. Ich erlebe sowohl die Problematik des Antisemitismus als auch die sehr wichtige emotionale Kraft der Musik", sagte Rachlin in einem Interview der AMMERSEErenade. Auch für Abtprimas Jeremias Schröder OSB hat die Musik eine besondere Energie. Das Konzert vor 79 Jahren sei eine trotzige Geste gewesen: Wir leben noch! „Vielleicht wird uns jetzt wieder das Geschenk der Hoffnung zuteil wie im Mai 1945."
Damals, nur wenige Wochen nach Ende des Zweiten Weltkriegs musizierten wenige Holocoaust-Überlebende auf dem Gelände der Erzabtei St. Ottilien noch in ihrer gestreiften KZ-Kleidung vor den sogenannten Displaced Persons, die in dem von US-Amerikanern eingerichteten jüdischen Hospital des Klosters versorgt wurden.
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