Tutzing/Dresden – Vom 22. November bis 4. Dezember steht Luisa Wöllisch auf der Bühne der Comödie Dresden, wo sie in dem Stück „Die Goldfische" die Rolle der Franzi spielt. Die 26-Jährige aus Tutzing hat es geschafft, trotz ihres Down-Syndroms selbstbewusst ins Rampenlicht zu treten; unter anderem war sie auch schon im Weilheimer Stadttheater in "Lulu" nach Frank Wedekind zu sehen. Die sympathische junge Frau mit dem angeborenen Gendefekt Trisomie 21, der unterschiedliche Beeinträchtigungen mit sich bringt, wollte ihr Leben nicht in der Monotonie einer Behindertenwerkstatt verbringen.
"Wir wollten nicht, dass Luisa irgendwo nur untergebracht ist, sondern einen Beruf findet, der sie erfüllt", sagt ihre Mutter, die zweitweise auch als Managerin fungiert. Schon als Kind mimte Luisa im Krippenspiel ihrer Tutzinger Pfarrgemeinde einen Engel und übernahm später Rollen im Montessori-Schultheater.
"Mir ist wichtig, dass die Leute nicht das Wort Downie benutzen", betont sie. "Wir sind Menschen mit Downsyndrom." Konkret bedeutet das, dass sie ihren Alltag weitestgehend selbständig lebt und nur bei bestimmten Dingen die Hilfe ihrer Eltern in Anspruch nimmt. Ihren Text lernt sie, indem sie ihn aufs Handy spricht und immer wieder abhört.
Ihr erster Karriereschritt war ein Platz im Ensemble der Freien Bühne München. In diesem "Theater für alle" arbeiten auf der Bühne und dahinter Menschen aller Altersklassen, verschiedener Herkunft, mit und ohne Behinderung zusammen. Luisa konnte dort als Erste eine dreijährige Schauspiel-Ausbildung absolvieren und bekam nach einigen namhaften Produktionen auch eine Nebenrolle im Eberhofer-Krimi „Die Grießnockerlaffäre".
Seit 2020 gehört sie zum Ensemble der Münchner Kammerspiele und wurde ein Jahr später mit dem Kulturpreis Bayern ausgezeichnet. "Theater und Film machen mir gleichermaßen viel Spaß, auch wenn beides einen eigenen Stil hat", erzählt sie von ihrer Arbeit. "Auf der Bühne hast du Gegensatz zum Film nur einen einzigen Versuch und das Publikum direkt vor dir, das ist cool."
Bei Dreharbeiten gefällt ihr das Reisen und die Unterkunft in tollen Hotels wie für den Film "Die Goldfische". Das Casting dazu gewann sie, weil sie beim Improvisieren den Regisseur so faszinierte, dass er bewundernd feststellte, sie habe ihn an die Wand gespielt. Sowohl im Film als auch in der Dresdner Bühnenfassung verkörpert sie als "Franzi" ein toughes Mädchen mit Down-Syndrom.
Christian Kühn, künstlerischer Leiter des größten sächsischen Privattheaters, sagt: "Sowohl auf Bühnen als auch im Fernsehen ist Inklusion am wenigstens im Unterhaltungs- und Comedybereich sichtbar. Für mich hat somit der Film innerhalb des Genres eine Vorreiterrolle eingenommen, was neben der originellen Story ein Beweggrund war, den Stoff auf die Boulevardbühne zu bringen."
Für Luisa ist es etwas ganz Besonderes, die Franzi ein zweites Mal zu spielen und die Goldfische mit den Mitteln des Theaters zu erleben: "Franzi ist in der Bühnenfassung erwachsener und bietet somit für mich auch mehr spielerische Möglichkeiten." Der Inhalt des turbulenten Stücks: Der Banker Oliver führt ein Leben auf der Überholspur, bis ein Verkehrsunfall alles verändert. In der Reha findet er Anschluss an die Wohngruppe „Die Goldfische". Deren behinderte Mitglieder sind die idealen Komplizen für seinen Plan: ein als Gruppenausflug getarnter Grenzschmuggel seines Schwarzgeldes. Denn wer kontrolliert schon einen Bus voller Menschen mit Behinderung?
Die Proben für die Dresdner Comödie fand Luisa ebenso anstrengend wie lustig. "Weil ein Schauspieler krank geworden war, mussten wir alles umwerfen und das war sehr nervenaufreibend. Sehr witzig waren dagegen die Busfahrten, die wir geprobt haben, vor allem die Buspanne."
Dass sie vom Theater zum Film gegangen sei, bezeichnet sie als großen Schritt. "Aber ich kann Leuten, die Schauspieler werden wollen und eine Einschränkung haben, nur raten, dass sie an sich selbst glauben und das machen sollen, was ihnen Spaß macht. Am wichtigsten ist, keine Angst zu haben."
Fürs neue Jahr plant Luisa schon wieder mehrere interessante Projekte: "Es wird neue Produktionen an den Münchner Kammerspielen geben und kann auch sein, dass ich nochmals in Dresden oder Karlsruhe spiele. Fürs Fernsehen sind ebenfalls zwei Projekte in Planung." Gern würde sie mal eine Kommissarin mimen, "weil ich ja schon mal in der Krimiserie K 11 mitgespielt habe".
Auch außergewöhnliche Rollen wie eine Leiche könnten sie reizen oder eine Musical-Rolle: "Mein Traum wäre die Sarah im Tanz der Vampire!"
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