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„Jüdisches Leben in Landsberg" Eine Stadtführung zu Toleranz und Vertreibung

Landsberg am Lech –  Die Arbeitsgruppe 60plus der Landsberger SPD traf sich zu einer Stadtführung mit Andreas Münzer zum Thema „Toleranz und Rassismus in Landsbergs Stadtgeschichte." Die Spuren jüdischen Lebens reichen zurück bis zur Stadtgründung im 13. Jhd. Jüdisches Leben in Landsberg sei nie besonders ausgeprägt gewesen. Die ersten jüdischen Spuren begegneten der Gruppe bereits zu Beginn der Führung an der Rathausfassade: Bilder von 3 jüdischen Frauen aus dem Alten Testament, Susanna, Rispa und Judith.

Die Ludwigstraße hieß einst Judengasse und bildete ein kleines jüdisches Viertel bis zur Stadtmauer an der Hinteren Salzgasse. Bereits um die Stadtgründung vor 1270 spielte sich u. A. im heutigen Hof des jetzigen Katholischen Pfarrzentrums das Leben der jüdischen Gemeinde ab. Juden hatten keine Bürgerrechte, ebenso wie Frauen und Knechte. Sie durften keinen Ackerbau betreiben und in keine Zunft eintreten. Ihren Lebensunterhalt bestritten sie als Kaufleute, Händler, Geldverleiher oder Ärzte. In der Blatterngasse vermutet man Spuren einer „Mikwe", des Jüdischen Ritualbades, das sich bisher jedoch nicht nachweisen lässt. Eine Synagoge ist in Landsberg nicht bekannt.

Keine 28 Jahre später kam es zum ersten Judenpogrom, der „Rintfleischverfolgung." Von Franken ausgehend kam sie auch nach Landsberg und kostete hier 30 jüdischen Menschen das Leben. Ihren Namen erhielt die Verfolgungswelle von ihrem Anführer, „Rintfleisch", der Metzger/Scharfrichter aus der Nähe von Würzburg war. Eine zweite Verfolgungswelle gab es 1348/49 im Rahmen der großen Pest und schließlich ab 1442 die Ausweisung aller Juden aus Oberbayern – bis 1813. Im Jahr 1889 zählte die Stadt Landsberg 5125 Einwohner und 15 Juden.

Erst um 1900 haben sich wieder mehr Juden in Landsberg angesiedelt. Als Händler und Geschäftsleute haben sie sich einen Namen gemacht. Sechs jüdische Familien und deren Schicksale während der Nazi-Diktatur wurden zum „Roten Faden" durch die Führung. Zwei Beispiele: Die Familie Schleßinger, Viehhändler, wurde auf Betreiben des Vermieters 1935 aus der Wohnung vertrieben und kam bei Freunden unter. Ihre Tochter Sitta Schleßinger war zum Zeitpunkt ihrer Vertreibung im Jahr 1939 erst 16 Jahre alt. Die Familie konnte 1939 nach Chile ausreisen. Sitta Schleßinger kam nie wieder in ihre Heimatstadt zurück. Ein anderer, Max Weimann, flüchtete damals in die USA, wie viele andere Juden auch. Er war der einzige Landsberger, der nach dem Krieg Anfang der 50er Jahre wieder in seine Heimatstadt zurückkam. Weimann wollte sich wieder eine Existenz aufbauen, es ist ihm aber nicht geglückt.

In Folge der Reichskristallnacht 1938 kam es erneut zu einer Fluchtbewegung. Die meisten Geschäfte und Häuser der jüdischen Eigentümer wurden rigoros verschleudert. Nicht zu vergessen, gab es aber auch viele mutige Landsbergerinnen und Landsberger, die damals viel riskiert haben, um Juden zu helfen. Einer davon Hans Pfannenstiel. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzten die Amerikaner Hans Pfannenstiel als Bürgermeister ein. Eine große Aufgabe war die Versorgung der Bevölkerung mit Brennholz und Nahrungsmitteln. Darunter auch 8000 Menschen in den Lagern für Displaced Persons. Das waren Zivilpersonen, ehemalige Zwangsarbeiter, KZ-Häftlinge, Kriegsgefangene und andere Arbeitskräfte, die sich kriegsbedingt außerhalb ihres Heimatstaates aufhielten und ohne Hilfe nicht in ihre Heimat zurückkehren konnten.

Vielerorts schwankt auch heute unser Umgang mit Andersgläubigen, Andersdenkenden und Menschen anderer Herkunft zwischen Akzeptanz und Vertreibung, so Andreas Münzer. Ein Satz über den noch lang und heftig im Gasthaus Mohren diskutiert wurde. Die Gruppe spendete viel Applaus für eine Zeitreise durch Landsbergs Altstadt.

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