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„Das ist einfach menschenunwürdig“. Mütter kämpfen um „Toilette für alle“ in der Landsberger Innenstadt. Von Daniela Hollrotter

„Das ist menschenunwürdig“ sagt Meike Wunder mit Blick auf ihre Tochter Marie, die auf dem Boden liegend gewickelt werden muss. Fotos: Daniela Hollrotter

Landsberg am Lech – „Das ist einfach unhygienisch und menschenunwürdig", sagt Meike Wunder und blickt auf ihre elfjährige Tochter, die auf dem Boden der öffentlichen Behindertentoilette im historischen Landsberger Rathaus liegt. Marie muss gewickelt werden und auf dem klappbaren Wickeltisch ist natürlich kein Platz für das 1,50 Meter große Mädchen. Meike Wunder will sich deshalb mit dem jüngsten Beschluss des Bauausschusses zum Thema „Toiletten für Menschen mit Behinderung" nicht zufriedengeben. Sie schlägt Alternativen vor.

Nicht nur Meike Wunder kennt das Problem der fehlenden Wickelmöglichkeit für Menschen mit Behinderungen. Auch Stephanie Burgharts Sohn Raphael ist mittlerweile zu groß für den Wickeltisch. Ausflüge in die Stadt, zum Beispiel zum Eis essen, sind so kaum möglich. Denn wenn Raphael oder Marie gewickelt werden müssen, bleibt nur der Boden – entweder irgendwo im Freien oder in einer öffentlichen Toilette.

Stephanie Burghart bemüht sich deshalb schon seit zwei Jahren um die „Toilette für alle" mit einer höhenverstellbaren Pflegeliege und ist damit unter anderem bei der Lebenshilfe Landsberg auf offene Ohren gestoßen. Nina Klusmeier von den Offenen Hilfen kennt das Problem, kann unzählige Geschichten beisteuern.

Zum Beispiel von dem 15-Jährigen klein gewachsenen Rollstuhlfahrer, der in der Innenstadt akute Verdauungsprobleme bekam. Die Mutter machte ihn in „irgendeiner Ecke im Hinteranger" im Stehen sauber und wickelte ihn. Sie war „immer in der Angst, dass jemand vorbeikommt" und hatte keine Möglichkeit, sich anschließend die Hände zu waschen.

Auch die Mutter eines 13-jährigen, von der Lebenshilfe betreuten Mädchens berichtet davon, wie oft sie ihre Tochter „auf dem Steinfußboden liegend" wickeln musste. Sie betont, wie schwer es ist, wenn eine zusätzliche Person helfen muss, aber kein Platz in der Toilette ist. Außerdem gibt es auch erwachsene Menschen, die aufgrund ihrer Behinderung gewickelt werden müssen.

Mit der „Toilette für alle", die Stephanie Burghart, Meike Wunder, Jonas Pioch und Barbara Juchem bei der Stadt beantragt hatten, würden zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Denn diese Toilette stünde auch Menschen mit Behinderungen zur Verfügung, die nicht gewickelt werden müssen. Sie benötigen ebenfalls eine Rund-um-die-Uhr-offene Toilette zentral in Landsberg. Denn im Rollstuhl oder mit einer Gehbehinderung, aber auch für Menschen mit einer Darmerkrankung ist im akuten Notfall jeder Meter entscheidend, so Stephanie Burghart.

Das bestätigt eine Mutter, deren Sohn sich einen Oberschenkelhalsbruch zugezogen hatte und vorübergehend auf den Rollstuhl angewiesen war. Als er auf die Schnelle eine Toilette benötigte, schaffte sie gerade noch zu einer geöffneten Toilette. Denn die Sanitäranlage im historischen Rathaus ist ab 17 bzw. 18 Uhr geschlossen.

Die im Stadtrat vorgeschlagene Lösung, eine „Toilette für alle" im Zuge der Inselbadsanierung umzusetzen, sei zwar sinnvoll, vor allem für die Nutzer des Inselbads. Doch diese Lösung kann erst in mehreren Jahren verwirklicht werden und das dauert Meike Wunder und Stephanie Burghart zu lange.

Die beiden Mütter betonen, dass die „Toilette für alle" zeitnah als Modulbau mit zwölf Quadratmetern realisierbar wäre. Die Kosten für die Ausstattung der Toilette liegen bei rund 15.000 Euro, dazu käme noch der Modulbau, der entsprechend der Umgebung gestaltet werden könnte. Stephanie Burghart und Meike Wunder könnten sich den Bau zum Beispiel im Innenhof des Rathausanbaus, am Infanterieplatz oder aber auf der Wiese bei der Ausfahrt aus der Lechtiefgarage vorstellen… 

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