Dießen – Seit 2007 unterrichtet Kai Fikentscher an der Musikschule Dießen akustische und elektrische Gitarre, und er begleitet, mit viel Engagement, Ensembles und Bands auf ihrem musikalischen Weg. Einige der von Fikentscher gecoachten Musikschulbands machen bis heute gemeinsam Musik. Zahlreiche Musikerfreundschaften haben sich aus der gemeinsamen Arbeit entwickelt. Der Musikpädagoge bietet außerdem in unregelmäßigen Abständen immer wieder Workshops zu Themen wie Improvisation, Gehörbildung oder Harmonielehre an. Auch aktuell sind Workshops geplant.
Fikentschers Begeisterung für die Musik begann früh und die Liebe zu seinem Instrument, der Gitarre, ist „mit den Jahren noch gewachsen", wie er sagt: „Was Klangfarbe und musikalische Stilistik betrifft, ist die Gitarre ein unglaublich variables und ausdrucksstarkes Instrument. Wenn Musizieren als besondere Form der Kommunikation verstanden werden kann, dann ist die Gitarre polyglott".
Die Weichen für seinen musikalischen Weg seien in den 70er-Jahren gestellt worden, erinnert er sich: Ein paar nette ältere Damen – weitläufige amerikanische Verwandtschaft aus Wisconsin – hatten dem Schüler eine Langspielplatte aus New York als Geschenk mitgebracht, die ihm die Ohren besonders für den Jazz öffnete – die LP „Crosswinds" von Billy Cobham. „Hier ging es um andere Kompositionsprinzipien als in Europa, und die wollte ich kennenlernen", erinnert sich Fikentscher.
Seine Kindheit und Jugend verbrachte der Musiker am Ammer- und Starnberger See; später lebte er viele Jahre in Boston und New York. Dort entwickelte er sich zu einem hervorragenden Beobachter der Pop-, Rock-, Blues- und Jazz-Szene. In den pulsierenden Städten der nordamerikanischen Ostküste erlebte er legendäre Konzerte, zum Beispiel von Miles Davis oder Ravi Shankar, und tingelte mit einer Top-40-Band durch mehrere Staaten. Nach abgeschlossenen Studiengängen am Berklee College of Music und der Manhattan School of Music gelang ihm der Sprung an die New Yorker Columbia-Universität, wo er Anthropologie und Musikethnologie studierte. Seine Dissertation aus den 80er-Jahren mit dem Titel „‚You Better Work!' Underground Dance Music in New York" ist als erstes wissenschaftliches Werk zu diesem Thema bis heute im Buchhandel erhältlich. „`You better work´, ist eine Phrase, die in der Szene von Musikern und Tänzern häufig gebraucht wird, um sich gegenseitig anzuspornen", erklärt Fikentscher.
Bis heute übt der Musiker und Autor den Spagat zwischen der literarischen Ergründung der Musik und der puren Freude, sich der Musik live auf der Bühne hinzugeben.
Zuletzt fand im November 2024 ein Workshop zum Thema „Improvisation - wozu und wie?" in den Räumen der Diessener Musikschule statt. „Da hierzulande im regulären Unterricht der Umgang mit aufgeschriebener Musik, sprich Noten, oft im Vordergrund steht, war diese Veranstaltung eigentlich überfällig. Improvisation hat damit zu tun, sich musikalisch frei auszudrücken, und das will erlebt, ausprobiert und erlernt sein. Meine Ausbildung an zwei US-amerikanischen Musikhochschulen im Bereich Jazz kommt mir da zugute," sagt Fikentscher.
Insgesamt neun Teilnehmer hatten sich angemeldet und es war eine breite Palette von Instrumenten vertreten: Gesang, Klavier, Gitarre, Bassgitarre, Klarinette und Querflöte. Nach einer Vorstellungsrunde mit Fragen wie „Zu welchem Akkord passen welche Töne?" und „Wie kann man Lieder erfinden?" sowie einer Einführung in die Grundlagen der Improvisation (Tonleitern und Stilkunde, in der Melodie, Harmonie und Rhythmus wichtige Rollen einnehmen) bildeten sich drei Arbeitsgruppen, die sich je mit einer bekannten Komposition, auch „Jazz Standard" genannt, befassten und in kurzer Zeit auf sogenannten Leadsheets basierende Arrangements der jeweiligen Nummer erarbeiteten und anschliessend präsentierten. Von sieben angebotenen Stücken fiel die Auswahl auf drei Standards, „Autumn Leaves" von Joseph Kosma (bekannt in der englischsprachigen Fassung von u.a. Nat King Cole), „Blue Bossa" von Kenny Durham und „All of Me" aus dem Jahr 1931, geschrieben von Gerald Marks und Seymour Simons.
Zum Ende des Workshops wurden alle drei Stücke vorgetragen und die Erfahrungen dazu ausgetauscht.
Eine breite Palette von Instrumenten, wie Gesang, Klavier, Gitarre, E-Bass, Klarinette und Querflöte sei in einem Improvisationsworkshop durchaus wünschenswert, und es mache Spaß, mit neuen Leuten zu musizieren, betont der Musikpädagoge. Man entdeckt neue Zugänge zur Improvisation und verliert die Angst vor und mit bislang fremden Menschen zu musizieren. Auf den nächsten Workshop an der Musikschule Dießen freut sich Fikentscher bereits. Er hofft auf zahlreiche Anmeldungen sowie auf ein wachsendes Interesse an Jazz und jazzverwandter Musik bei Musikschülern und Musiklehrern.
Auch das Jazz-Ensemble der Musikschule, das 14-tägig unter Fikentschers Leitung probt, ist auf der Suche nach mindestens zwei TeilnehmerInnen, insbesondere aus den Fächern Gesang, Blechbläser und Holzbläser. Interessenten und Interessentinnen jeden Alters, mit oder ohne Jazz-Background, die Lust haben an einem Workshop teilzunehmen oder im Jazz-Ensemble mitzuspielen, melden sich bitte im Büro der Musikschule (08807) 6410, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!. Die Teilnahme am Jazz-Ensemble ist für Schülerinnen und Schüler der Musikschule Dießen kostenlos.
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