Oberhausen – Eines Nachts stand Stephan Zinner in seinem Heimatort Trostberg auf einer stockfinsteren Straßenkreuzung und schloss einen Pakt mit dem Teufel, damit der einen guten Gitarrenspieler aus ihm machen solle. Eine schaurig-schöne Legende, die in Wahrheit aber dem 1938 verstorbenen Bluesmusiker Robert Leroy Johnson zugeschrieben wird, dem dämonischen "King of the Delta Blues".
Und weil in jedem von uns ein kleiner Teufel steckt, wie schon die Rolling Stones in "Sympathy for the Devil" gesungen haben, hat Zinner sein Programm in der Oberhauser Stroblbühne "Der Teufel, das Mädchen, der Blues und Ich" betitelt. Der 48-jährige ist ein wahrer Teufelskerl mit vielen Talenten: Jahrelang mimte er beim Nockherberg-Singspiel den Ministerpräsidenten, in den Filmen zur Eberhofer-Krimireihe ist er der Metzger-Simmerl, aktuell dreht er die Serie "Himmel Herrgott Sakrament", außerdem ist er als Autor, Kabarettist und jetzt auch noch als Bluesmusiker unterwegs.
Die kulturelle Aneignung afro-amerikanischen Liedgutes ist keineswegs neu - schon vor Jahrzehnten haben Williams Fändrich aus Huglfing, Manfred Zick aus Waakirchen oder der Isar-Indianer Willy Michl Bluesnummern im Dialekt gesungen. Zu Zinners musikalischem Talent - er hatte früher Gitarrenunterricht - kam noch sein komödiantisches, als er auf der Stroblbühne ein schräges Tänzchen aufführte oder über seine drei Kinder und die beiden Meerschweinchen in der Münchner Mietwohnung plauderte. Auch der Blues erzählt ja Geschichten aus dem Alltag und überhaupt: "Ois is Blues", wie wir von Willy Michl wissen.
Rein musikalisch gesehen, ist dieser Stil mit seinen zwölf Takten geradezu simpel und schematisch - das macht es so schwierig, ihn einfallsreich und interessant zu spielen. Und wer drei Akkorde schrammeln kann, hat noch lange nicht das, was man Groove nennt. Dieses Feeling, die innere Begeisterung, spürten die 200 Zuhörer jeden Moment bei Zinner und seinem Partner Peter Pichler. Beide demonstrierten eindrucksvoll, wie abwechslungsreich und mitreißend diese Musik sein kann, von Cajun bis zum Chicago-Blues.
Blue, also traurig, war niemand an diesem wunderbaren Abend. Mit Akkordeon, Banjo, Glockenspiel, Keyboard und Mundharmonika war für musikalische Vielfalt gesorgt. Zinner hat seine Idole eingehend studiert und zu John Lee Hookers "Boom Boom" oder Tom Jones "Sexbomb" kluge Texte im Dialekt geschrieben. Natürlich gibt es hierzulande keine Baumwollfelder, sondern Maisfelder, und den Teufel trifft man nicht an der Kreuzung, sondern in der Sparkasse am Eck, getrunken wird kein Bourbon, sondern Rüscherl.
Überrascht waren viele Zuhörer von Zinners kraftvoller Stimme, etwa bei einem nur mit Banjo begleiteten Gospelsong. Bereitwillig zeigte das 96 Kilo schwere Mannsbild auch seine verletzliche Seite, wenn es zum Beispiel um die Vergänglichkeit des Lebens ging: „Egal ob du ein König bist oder ein Narr, irgendwann ist's Zeit zum ,Servus' Sagen" war das anrührendste Lied an diesem Abend.
Zum Schluss des amüsanten und musikalisch anspruchsvollen Abends ließ der bayerische Bluesmann nochmal die Sau raus mit einer fetzigen Bottleneck-Version von Robert Johnsons "Rambin`on my mind". Dieser Song aus dem Jahr 1936 beinhaltet alles, was den Blues ausmacht: Trennungsschmerz, den Gang zum Bahnhof und den Zug als Metapher für Aufbruch und Neubeginn.
Trotz des begeisterten Beifalls der Oberhauser blieb ein Wunsch offen: Zu Weihnachten wollen wir eine CD "Blues auf Bairisch mit Stephan "Devil" Zinner"!
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