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Interview mit Landratskandidatin Daniela Groß

Daniela Groß Foto: Fiona Schweizer

Daniela Groß geht für Bündnis 90/Die Grünen ins Rennen um das Amt der Landrätin des Landkreises Landsberg am Lech. Die gebürtige Landsbergerin ist seit mehreren Jahren kommunalpolitisch engagiert und gehört dem Kreistag an. Beruflich kommt sie aus dem sozialen beziehungsweise organisatorischen Bereich

aloys.news: Wie stehen Sie zur Reaktivierung der Fuchstalbahn zwischen Landsberg und Schongau – und welche konkreten Schritte würden Sie in der kommenden Amtszeit einleiten, um das Projekt voranzubringen oder tragfähige Alternativen zu entwickeln?

Daniela Groß: Die Reaktivierung der Fuchstalbahn zwischen Landsberg am Lech und Schongau unterstütze ich klar.Als ersten Schritt würde ich eine Taskforce mit beiden beteiligten Landkreisen, der Deutsche Bahn, der Bayerischen Eisenbahngesellschaft, den betroffenen Gemeinden und weiteren relevanten Akteuren einrichten. Ziel ist es, aktuelle Zahlen zu Potenzial, Kosten und Fördermöglichkeiten zu prüfen und das Projekt strukturiert voranzubringen.


Nach den gescheiterten beziehungsweise umstrittenen Neubauplänen für das Landratsamt: Welche Lösung favorisieren Sie – Neubau, Sanierung oder dezentrale Struktur – und wie wollen Sie künftig Kostenkontrolle und Transparenz sicherstellen?

Für mich ist klar: Ein Neubau auf der grünen Wiese ist nicht die richtige Antwort. Ich favorisiere eine kluge Kombination aus Sanierung bestehender Gebäude und einer dezentralen Struktur. Verwaltung muss bürgernah organisiert sein und vorhandene Flächen sinnvoll nutzen. Wichtig ist mir künftig eine frühzeitige, transparente Kostenplanung mit klar definierten Meilensteinen, regelmäßigen öffentlichen Sachstandsberichten und einer engen Einbindung des Kreistags. Große Bauprojekte brauchen professionelle Projektsteuerung, realistische Kostenschätzungen und konsequente Kontrolle, damit Vertrauen entsteht und Überraschungen vermieden werden.


Im Landkreis wird der Großteil der Pflege von Angehörigen geleistet. Welche konkreten Maßnahmen planen Sie, um pflegende Angehörige spürbar zu entlasten – insbesondere mit Blick auf die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege sowie den steigenden Pflegebedarf?


Pflegende Angehörige leisten Großartiges und sie brauchen spürbare Entlastung. Die Quartierspflege bietet hier  bereits gute Ansätze: Pflege, Beratung und Nachbarschaftshilfe werden vernetzt, damit Menschen wohnortnah unterstützt werden. Dieses Modell will ich weiter ausbauen und stärker mit Angeboten wie flexiblen Tagespflegeplätzen, Fahrdiensten und unterstützenden Services für Berufstätige verzahnen.
Ziel ist, Pflege, Familie und Beruf besser vereinbar zu machen und die steigende Pflegebedarfe im Landkreis langfristig abzusichern.


Der Wohnungsmarkt im Landkreis ist angespannt. Welche Möglichkeiten sehen Sie auf Kreisebene, um bezahlbaren Wohnraum für Familien, Pflegekräfte und Auszubildende zu schaffen?


Der Wohnungsmarkt ist angespannt , auch für Familien, Pflegekräfte und Auszubildende. Auf Kreisebene können wir nicht alles selbst bauen, aber wir können gezielt unterstützen und steuern. Wichtig sind für mich drei Punkte: die Stärkung kommunaler und gemeinwohlorientierter Wohnungsbauprojekte, die Nutzung kreiseigener Flächen im Erbbaurecht statt Verkauf sowie gezielte Konzepte für Mitarbeiterwohnungen, etwa für Pflegekräfte am Klinikum oder Auszubildende in Kooperation mit Arbeitgebern und Gemeinden.


Wie sichern Sie langfristig eine wohnortnahe medizinische Versorgung im Landkreis – gerade angesichts wirtschaftlicher Herausforderungen der Kliniken und des zunehmenden Ärztemangels im ländlichen Raum?
Wohnortnahe medizinische Versorgung ist für mich zentrale Daseinsvorsorge.


Wir müssen unser Klinikum wirtschaftlich stabil und medizinisch gut aufstellen und es eng mit niedergelassenen Ärzten vernetzen. Gleichzeitig braucht es aktive Fachkräftegewinnung, etwa durch Kooperationen, Stipendien und Unterstützung bei Praxisgründungen. Ziel ist eine verlässliche Versorgung im gesamten Landkreis, nicht nur in der Kreisstadt.


Der Landkreis wächst wirtschaftlich stark. Wie wollen Sie Mittelstand, Handwerk und innovative Branchen fördern, ohne dass Infrastruktur, Natur und Lebensqualität darunter leiden?

Wirtschaftliches Wachstum braucht eine Verwaltung, die mitdenkt statt bremst. Ich setze auf eine serviceorientierte, digitale und lösungsorientierte Kreisverwaltung mit klaren Zuständigkeiten und verlässlichen Bearbeitungszeiten. Unternehmen, vom Handwerksbetrieb bis zum Start-up, brauchen feste Ansprechpartner und transparente Verfahren. So stärken wir Mittelstand und Innovation, ohne Lebensqualität und Infrastruktur aus dem Blick zu verlieren.


Viele zentrale Projekte hängen von einer engen Abstimmung mit Städten und Gemeinden ab. Wie verstehen Sie Ihre Rolle als Landrat beziehungsweise Landrätin – eher moderierend, steuernd oder gestaltend – und wo setzen Sie klare Prioritäten?

Als Landrätin verstehe ich meine Rolle als gestaltend und moderierend zugleich. Ich will Projekte aktiv voranbringen, gleichzeitig die Städte und Gemeinden eng einbinden, damit Lösungen vor Ort tragfähig sind. Meine Priorität liegt auf Bereichen, die viele Menschen direkt betreffen: öffentlicher Nahverkehr, soziale Infrastruktur und Verwaltung, die bürgernah funktioniert. Dort will ich Entscheidungen klar steuern, koordinieren und sichtbar



Viele Arbeitnehmer pendeln täglich aus dem Landkreis nach München oder Augsburg, meist mit dem Auto. Welche Strategien verfolgen Sie, um mehr Arbeitsplätze oder flexible Modelle wie Coworking-Spaces im Landkreis zu stärken, damit Wertschöpfung und Lebenszeit stärker vor Ort bleiben?


Pendeln kostet Zeit, Nerven und Lebensqualität ,für viele Familien und Berufspendler ist das belastend.
Ich will mehr gute Arbeitsplätze hier im Landkreis ansiedeln und flexible Modelle wie Coworking-Spaces oder hybride Arbeitsplätze fördern. So bleibt Wertschöpfung vor Ort und die Menschen gewinnen Zeit für Familie und Alltag zurück.

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