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"Ernesto, der Seebär – Vom Tretauto zum Schlachtschiff" Teil 3: Hat sich mein Leben gelohnt? Folge 80

Der Seebär arbeitet nun bei BMW in München. Graphik: Pax et Bonum Verlag

Folge 80

Er hatte mit diesem Herrn T. sowieso noch ein Hühnchen zu rupfen. Bei einer Besprechung, bei der meist auch Vertreter anderer Betriebssparten zugegen waren, hatte er immer eine Flasche Mineralwasser dabei. Nur er wusste, was da wirklich drin war, jedenfalls kein Wasser. Herr T., der ebenfalls dabei war, hatte ihn schon lange durchschaut, sah seinen Moment gekommen um das Geheimnis zu offenbaren, täuschte Durst vor und griff nach der Flasche. Herr Dr. Job war schneller, aber Herr T. hatte die Lacher an seiner Seite, denn beider Tricks waren bei den Besprechungen schon hinlänglich bekannt. Sein Kontrahent, der Doktor, hegte seitdem verständlicherweise Rachegelüste.

Ja, es war eine schöne Zeit bei BMW; es war mein Traumjob. Schön und erlebnisreich. Die Zeit wurde mir noch dadurch versüßt, als ich lange Zeit mit beiden Schönheitsköniginnen befreundet war, mit Resi und mit Monika.

Resi war einfach da und erfreute unsere Abteilung schon allein durch ihre Anwesenheit und mit ihren atemberaubenden Bally high heels, die sie mir immer nach einer gewissen „Lauf"zeit mitbrachte, weil sie wusste, dass mein erweiterter Freundinnenkreis sich darum riss.

Monika holte ich jahrelang jeden Morgen pünktlich von zuhause, das auf meinem Weg lag, ab. Sie war die Leiterin des Schreibbüros und avancierte später zur Finanzvorstandssekretärin. Die Freundschaft fand ein jähes Ende, als sie eines Morgens nach einem häuslichen Streit in ihrem Frust mein halbes Auto zerlegte. Beim Vorstand hätte sie das ihren Job gekostet und ich war der harnlosere…

Innerhalb unserer Vertriebsabteilung hatten wir vom Kundendienst einen Sonderstatus. Als Kundendienst einer Firma von Weltgeltung hatte unser geliebter Vorstandsvorsitzender, Herr von Kuenheim, uns diesen unausgesprochen zugebilligt, wie wir zu wissen glaubten oder andersrum. Keiner wusste das, nur wir ahnten das. Ich will trotzdem nicht mit aller Gewalt behaupten, dass wir Narrenfreiheit hatten, aber wenn mal etwas schiefging, hielt unser Boss die schützende Hand über uns.

So zum Beispiel an einem ganz bestimmten Freitag, an dem ein solches Unheil seinen Lauf
nahm.

Die Belegschaft der BMW pflegte über die vielen Jahre hinaus ein friedliches und kollegiales Klima mit einander, das sich in 1984 abrupt ändern sollte. Es trat eine Führungskraft auf den Plan, die bzw. der seine Existenz in Amerika gefestigt und ausgebaut hatte. Dadurch wurden sämtliche Führungskräfte, u.a. auch unser beliebter Abteilungsleiter Meßler, für den wir durchs Feuer gingen, einem betriebsinternen Verfahren unterzogen, unter dem unsere gesamte Firma zu leiden haben sollte, in der Hauptsache unser Vertrieb und das Marketing. Es wurde alles bis auf den letzten Stein umgekrempelt. In Amerika indoktriniert, sollte nachstehend beschriebener Herr bei uns den Begriff „job rotation" zur Blüte bringen. Und das ging so:

Wie immer jeden Tag saßen wir friedlich und konzentriert an unserem Arbeitsplatz, den jeder von uns aus dem „ff" beherrschte, als plötzlich in unserem Großraumbüro aus der Stille heraus ein fürchterliches Donnerwetter über uns hereinbrach. O-Ton: „Meeeiiine Herren! Bisher waren wir auf einem Passaaagierschiffff! Ab heute befinden wir uns auf einem Scheelllachtschiff!!!!! Guten Tag, meine Herren!" Der Mann verschwand so schnell, wie er gekommen war.

Wir saßen alle fassungslos und wie gelähmt da, unfähig einen anderen Gedanken zu fassen als: Was war denn das für ein Depp??

Er stellte sich weder vor noch bezog er bei seiner „Ansprache" die Damen unserer Abteilung mit ein. Nach geraumer Zeit folgte des Rätsels Lösung: Es war ein gewisser Herr Eberhard von Koerber, der unser Vertriebs- und Marketingleiter werden sollte. Na, das konnte ja heiter werden!

Er verschwand zwei Jahre später so schnell und geräuschlos, wie er gekommen war. Das sagt alles. Aber das Gift war gestreut. Wenn man bei Wikipedia seinen Lebenslauf verfolgt, dann ist sein Berufsleben von einer Vielzahl von Jobs geprägt, was, - qui mal y pense - er sei überall dort in den Aufsichtsräten „weggelobt" worden. Auf jeden Fall hat er auf diese Weise auch noch viel Gehälter gescheffelt! Wie sagt man so schön?: Große Schnauze und nichts dahinter.

Fortsetzung folgt 

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